Personal Log 002: Tigress

Kapitel 2 „Das Verhör“

Er macht deutlich klar, dass weder Gewalt, noch Drogen für ihn in Frage kommen – mein Plan sieht ja aber auch sowieso etwas anderes vor. Mein Plan ist es, dem Scout vorzuspielen, dass ich ein Psioniker bin und seine Gedanken sowieso lesen kann, dieses aber für ihn sehr schwerwiegende Konsequenzen haben könnte – Gedächtnisverlust, Schmerzen, Anfälle/Zuckungen.

Unterstreichen möchte ich dies, indem ich Informationen einfließen lasse, von denen er nicht weiß, dass ich sie bereits habe und vielleicht einige leichte sensorische Reize (Hitze, Schmerz).

Chief schlägt vor, das Ganze bei einem Arzt zu machen mit dem er hier bereits zusammen gearbeitet hat: einem Doktor Meyer von SFI (Code: „Doc“). So könnte man die Scharade auch noch realistischer und furchteinfössender gestalten.

Ich gehe auf den Basar, um schon mal Gummihandschuhe und Farbe zu besorgen – die lila Handschuhe werden das strenge und minimalistische Outfit mit schwarzem Ledermantel optimal abrunden. Trotz seines unauffälligen Outfits und vielleicht wegen seinem Katana fällt mir auf, dass mich ein Asiate verfolgt. Ich lasse ihn auflaufen und stelle ihn zur Rede. Er macht keinen feindseligen Eindruck und hat sich mir als Hideki Tatebayashi vorgestellt (Code: „Samurai“). Er ist wohl auf der Suche nach einem Mentor/Kontakt für den Erhalt einer Big Q (der großen Peacekeeper Lizenz). Ich stimme zu, ihn erst mal kennen zu lernen und beauftrage ihn als Backup für mich zu fungieren. Riskant, aber ich folge meinem Bauchgefühl …

Sei erster Job wäre es, bei meinem nächsten Termin (dem Verhör) mit einem Fluchtfahrzeug bereit zu stehen. Nicht das ich wirklich glaube, dass es nötig ist … aber man weiß ja nie.

Der Chief lässt den Gefangenen zu CombiSep bringen. Der Doc hat vorgeschlagen, das Verhör dort, in seinem Labor durchzuführen. Er kann den Gesundheitszustand und die Wirkung unserer Hilfsmittel so besser überwachen und dosieren, außerdem werden die Geräte die Wirkung unseres Bluffs sicher deutlich unterstreichen; wir wollen das Subjekt dazu in eine offene Kälteschlafkammer legen.

Nun habe ich meinen Auftritt: schwarze schlichte Kleidung im Militärstil und ein schwarzer Ledermantel – die lila Handschuhe ziehe ich demonstrativ vor dem Subjekt an. Ich stelle mich als Mitglied der psionischen Aufklärungsabteilung des Mars Geheimdienstes vor. Er brauche bei mir gar nicht erst mit Zuständigkeiten und Freigaben zu kommen, es gibt keine höhere Sicherheitsfreigabe als meine – wie sollte man auch vor einem Telepaten etwas verbergen können.

Ich sage ihm, dass ich sowieso alles erfahren werde, seine Kooperation sei nur zu seinem Vorteil – es läge an ihm, wie viel Schaden meine Gedankensonden und Extraktionstechniken anrichten werden. Mit körperlichen Schäden sei kaum zu rechnen, für sein Langzeitgedächtnis und sein Emotionszentrum könne ich aber keine Verantwortung übernehmen. Ich versichere Chief aber in Gegenwart des Subjektes, dass für eine Neuprogrammierung auf jeden Fall genug Substanz übrig bleiben würde.

Chief spielt eigentlich ganz gut mit, hält sich aber nicht immer an die Absprachen und untergräbt damit etwas die absolute Autorität meiner Rolle. Ich muss etwas improvisieren und auch ihm drohen. Er übernimmt von da an den Part „Guter Cop“, sodass ich noch mehr in die „Böser Cop“ Rolle fallen muss.

Die Kooperation mit dem Doc klappt aber gut, die Medikamente funktionieren und bewirken die gewünschten sensorischen Nebenwirkungen. An der Stelle wo ich die Hand auf seine Stirn lege spürt das Subjekt zum Beispiel ein sich langsam steigerndes Hitzegefühl. Auch das Einfließen lassen der bereits vorhandenen Erkenntnisse als Ergebnisse der Gedankenextraktion hat seine Wirkung. Die Panik des Subjektes steigt schnell an, es stellt sich heraus, dass er anscheinend sowieso gehörige Angst vor Psioniker hat. Wir haben also mit unserem Bluff voll ins Schwarze getroffen. Das Subjekt gibt seinen Widerstand auf und macht einen Deal mit dem Chief: Freispruch, Freiheit und Ticket zum Mars für ihn und seine Kameradin Trisch …

Folgende Erkenntnisse:

  • Die DSV ELLISON wurde auf Hellsgate entführt und dort dann später (wahrscheinlich durch Aktivierung der Selbstzerstörung) vernichtet.
  • Sie waren zu dem Zeitpunkt nicht an Bord und hatten versucht ihren Vorgesetzten Ensign Eric O’Branogain (Code: „Deserteur“) bei seinen Ermittlungen bezüglich des Schicksals der DSV ELLISON zu unterstützen.
  • Dieser hatte sich dazu mit dem Bergungsunternehmen Denning Technologies und einer Gruppe Zivilisten zusammen getan.
  • Zu dieser Gruppe gehörten die Personen, die wir mit der Ankunft der IBS Korvette NOVAK in Verbindung bringen. Dazu bringt er noch einige weitere Namen ins Spiel: Raoul den Schrotthändler, Thug den Schlepper Piloten, eine Bedienung namens Elira und einen angeblichen Psioniker namens Os (Code: „Oz“).
  • Sie haben an einem Trümmerfeld Untersuchungen durchgeführt und dieses als Reste der DSV ELLISON identifiziert, Ursache scheint eine Selbstzerstörung ausgelöst durch Kapitän und/oder Navigator zu sein, es ist viel mehr Biomasse in Form von menschlichen Überresten vorhanden als nur die Crew – die Ladung scheint aus Menschen bestanden zu haben, auch lassen sich viele Rückstände einer Substanz nachweisen, die zur Unterdrückung psionischer Kräfte in der Kryostasis genutzt wird. Anscheinend also eine Menge Psioniker in Kälteschlafkammern.
  • Einen Flugschreiber oder ähnliches haben sie geborgen, wurden aber angegriffen und sind nach einem Fluchtsprung in einem Asteroidengürtel des Systems zerschellt, wo sie von der DSV NOVAK gerettet worden sind.
  • Über Route, Ziele, Ladung und Auftrag der DSV ELLISON weiß er ansonsten nichts weiter außer Versorgung von Außenposten.

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