Personal Log: Elira 001

#TheRIM #xCSA # HellsGate
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Gott, was für ein Wetter! Auf Hell’s Gate ist es ja sowieso nie das beste, aber an diesem Abend gab es wirklich keinen Lichtblick. Es regnet Bindfäden, man sieht kaum die Hand vor Augen. Da kann man sich ja fast freuen, auf der Arbeit zu sein. Wobei der Geruch hier drinnen auch nicht besser ist als draußen… Sei’s drum, es versprach ein langweiliger Abend zu werden.

Zumindest solange bis mein Chef mich beiseite nahm und von einer Schießerei sprach, die über den offiziellen Kanal verkündet wurde. Schlägereien sind hier normal, auch Schießereien kommen immer mal wieder vor. Das Besondere an diesem Abend war allerdings, dass es Tote gab UND ein Raumschiff entführt wurde. Welcher Idiot klaut bitte ein Raumschiff?!

Als ich mich umsah fiel mir eine Gruppe von fünf Männern in Uniform auf. Gesehen hatte ich sie noch nie, wahrscheinlich wären sie mir auch nicht weiter aufgefallen, wenn sie nicht geheimnisvoll miteinander tuscheln würden und dabei immer mal wieder auf ihr ComLink schauten. Vielleicht sollte man sie im Auge behalten.

Auf einen ähnlichen Gedanken kam wohl auch Take, der wohl versuchte, unauffällig ein paar Gläser an diesem Tisch abzuräumen. Nun ja, so unauffällig man sein konnte, wenn man selber schon eine Weile im Neon Splash abhängt und trinkt. Sicherheitshalber habe ich ihm gleich mal alles abgenommen. Noch einen Trümmerhaufen können wir hier nicht gebrauchen. Schon jetzt sind manche Gäste nicht gerade nüchtern. Vor allem der Typ in seiner Earth Alliance-Uniform bechtert ganz ordentlich. Auffällig ist er, so auffällig, dass sogar manche der Schnapsleichen hier anfangen zu reden.

Take bleibt zum Glück an der Bar, so kann ich ihm von der Schießerei erzählen. Wie immer, wenn er getrunken hat, ist er unwirsch und nicht gerade nett. Wow, manchmal könnte ich ihn wirklich einfach nur k.o. hauen. Ich gehe dann mal wieder arbeiten, sehe aber, dass er mit meinem Chef spricht. Ach, sicherlich erhofft er sich, da mehr Informationen zu bekommen. Sicher, weil mein Boss ja auch mehr weiß als ich… Wer noch nie in einer Bar gearbeitet hat, kann sich nicht vorstellen, wie viel zu tun ist. Es geht nicht nur darum, Getränke zu liefern, sondern man muss Betrunkenen ausweichen, eskalierende Streitereien erkennen und sich die aufdringlichen Männer vom Hals halten. Wahrscheinlich kein Traumjob, doch immer noch besser als an irgendeiner verdammten Universität zu sein und etwas zu tun, wofür man sich selbst nicht entschieden hat.

Wäre ich nicht gerade zurück zur Bar gegangen, wäre mir wahrscheinlich nicht einmal aufgefallen, dass Take seine Sachen geholt hat und auf dem Weg raus war. So schnell, zu so früher Stunde? Der wusste doch was! Da ich von Natur aus neugierig bin, sagte ich meinem Chef schnell, dass ich bald zurück bin. Zum Glück stellt er keine Fragen und macht niemals eine große Szene. Bardroiden sind zwar schlechter fürs Trinkgeld, aber ich verbringe wahrlich genug Stunden in diesem Laden. Sehen wir es als wohl verdiente Pause an.

Auf meine Frage, wohin er wolle, antwortet Take wieder recht unfreundlich. Konnte er nicht normal mit einem sprechen? Brauchte er eigentlich mehr oder weniger Alkohol, um menschenkompatibel zu werden? Vielleicht lag es einfach an seinem Beruf, wer weiß. Als wir aus der Gasse auf den Platz vor den Docks treten, fällt mir als Erstes eine Menschengruppe auf. Drei von ihnen tragen rote Anzüge, der Rest ist von der Sicherheit. Rote Anzüge bedeuten, dass sie zum Mars Colonial Council (MCC) gehören. Was wollen sie wohl hier und was haben sie ausgefressen, dass die Sicherheit damit zu tun hat? Ich erinnere mich an die Schießerei, doch bevor ich weiter darüber nachdenken kann, hat mich der eine von ihnen entdeckt und schreit einen der Sicherheitsmänner an, was all die Punks hier wollen. In dem Moment wird mir bewusst, dass bei ihnen noch zwei weitere Gestalten sind, sehr seltsame Gestalten, die auf jeden Fall nicht zu einer Behörde gehören. Hell’s Gate ist zwar kein Ort der Langeweile, aber so viele verschiedene Gestalten sieht man selten auf einem Haufen. Take schnürt sich inzwischen seinen Schuh zu. Natürlich. Sehr unauffällig.

Nun läuft er schnurstracks auf einen der Sicherheitsmänner zu und faselt etwas von Abschleppdienst, Spurensuche und seinem Chef. Abgefahren genug, aber der Typ glaubt ihm auch noch und geht seinen Chef informieren. Reden kann er, wenn er denn will. Leider kann man aus dem anderen keine weiteren Informationen holen. Wahrscheinlich wäre ein Rückzug auch besser, sie wirken alle ein bisschen nervös und ihre Waffen sind teilweise auch schon auf uns gerichtet. Der Lieutnant beendet unseren Auflauf dann tatsächlich auch recht schnell und schickt uns alle zurück. Die beiden seltsamen Gestalten folgen uns zur Bar. Mir soll es recht sein, wenn sie neue Kunden werden, wird mein Chef sich freuen. Take verabschiedet sich dann mit den Worten „ich hab noch was zu tun“. Egal, ich bin klitschnass und will nur noch rein.

Keine zwei Stunden später tauchen dann auch noch die drei vom MCC auf. Welch ein Zufall, dass unsere Bar der Treffpunkt für wirklich alle seltsamen Gestalten ist heute Abend. Es ist unwahrscheinlich, dass der Befehlshaber von ihnen mich nicht wiedererkennt, aber ich versuche einfach mal, nicht direkt in seine Nähe zu kommen. Man sollte das Schicksal nicht direkt herausfordern.

Der Typ von der Earth Alliance setzt sich derweilen zu den beiden komischen Gestalten an die Bar. Er ist wirklich trinkfest, so wie er bechert, wären anderen schon längst vom Stuhl gekippt. Plötzlich geht die Tür auf und eine resolute, breiter gebaute Frau stürmt herein. Sie baut sich vor den dreien auf und fängt an, den einen anzuschreien, dass er immer nur am Saufen wäre und irgendwelchen jungen Frauen nachgafft. Bei diesen Worten wirft sie mir einen hasserfüllten Blick zu. Kurz darauf verlassen sie und ihr anscheinend Ehemann die Bar gemeinsam. Seltsames Paar, aber ich habe Menschen sowieso nie richtig verstanden.

Ah, Mist! Der Scout vom Mars hat mich nun auch gesehen und winkt mich zu sich. Allerdings ist er inzwischen alleine. Dass die anderen beiden gegangen sind, ist mir nicht aufgefallen. Doch als er anfängt zu sprechen, traue ich meinen Ohren nicht. Bestechungsgeld… also wirklich, wenn er Informationen über die drei an der Bar will, soll er sich die doch selber holen. Trotzdem nehme ich das Geld und gehe zu den dreien rüber. Bevor ich auf nur eine Frage stellen kann, bestellt der Mann von der Earth Alliance noch mehr Getränke und ich soll dem Mars-Scout auch eines bringen. Gut, denke ich mir, das wird ihm nicht gefallen, wenn ich ohne Informationen wiederkomme, aber immerhin bekommt er nun ein Gratis-Getränk.

Der Mann der Earth Alliance bestellt wirklich schon wieder einen Drink, sein ständiges „Schätzchen“bringt mich langsam auch auf die Palme, aber ich lächle ihn trotzdem freundlich an und bringe ihm seine gewünschten Getränke. Job ist schließlich Job.

Zum Glück gibt es am heutigen Abend einen Droidenkampf. Das lenkt die Menge ein wenig ab, sodass ich ein wenig Ruhe habe. Take ist inzwischen auch wieder aufgetaucht, keine Ahnung, wo er herkommt. Glücklich sieht er auf jeden Fall nicht aus. Ich bin ein wenig verwundert, dass er sich zu den beiden am Tresen setzt, aber heute scheint alles ein wenig aus dem Ruder zu laufen. Mir fällt noch auf, dass vier der fünf Söldner sich ebenfalls zur Bühne begeben haben. Sie sahen gar nicht so aus, als hätten sie Wetten abgeschlossen, aber was weiß ich schon. „Everything is possible“ summe ich vor mich hin, als der Tumult vor der Bühne losbricht. Was ich sehen kann, gefällt mir gar nicht. Die vier Söldner haben sich einen Mann geschnappt und fesseln ihn gerade. Der fünfte steht mit einer Waffe herum und hält die Menge davon ab, sich groß zu bewegen. Ein Eingreifen wäre also keine kluge Idee.

Der Gefangene kommt mir nicht bekannt vor, aber es gibt auch nicht viel zu erkennen. Er sieht durch und durch durchschnittlich aus: seine Kleidung, seine Frisur, sein Auftreten. Alles scheint langweilig-normal zu sein. Was wollen sie also von ihm? Natürlich traut sich niemand, sich ihnen in den Weg zu stellen und so können sie den Armen einfach mitnehmen. Nachdem die Tür geschlossen ist, macht sich Gemurmel breit, niemand scheint Genaueres zu wissen.

Ich versuche, einfach meiner Arbeit nachzugehen und mich an etwas zu erinnern, was an dem Abend außergewöhnlich gewesen ist. Wobei natürlich so viel außergewöhnlich war, dass es mir schwerfällt, etwas noch Außergewöhnlicheres zu finden. Zumindest solange bis dieser seltsame, große Typ mich heranwinkt und mich zu der Flasche in seiner Hand befragt. Eine Glasflasche mit anscheinemd reinem Bourbon. Ungewöhnlich, und ziemlich teuer! Normalerweise hätte ich ihnen verboten, ihren mitgebrachten Kram hier zu trinken, aber heute Abend fällt es nicht weiter auf und mir ist es egal. Sollen sie doch machen, was sie wollen!

Als ich das nächste Mal zum Tresen schaue, sitzt doch tatsächlich der Typ vom Mars Colonial Council mit bei ihnen. Was die nun wohl zu bereden haben?

Vielleicht frage ich Take mal, wenn er wieder mehr getrunken hat…

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